Die Milchstraße wäre laut Vorhersage am 18.08.2020 zu 100% sichtbar gewesen. Aufgrund eines bewölkten Himmel war es aber an diesem Tag nicht möglich, ein Milchstraßenfoto zu erstellen. Der nächst mögliche Zeitpunkt der in Frage kam, war laut Wettervorhersage der 20.08.2020. An diesem Tag haben wir uns zu viert, mit unserer Fotoausrüstung auf den Weg zum 60 Kilometer entfernten Stausee Kleine Kinzig gemacht. Die Lichtverschmutzung ist im Schwarzwald schon wesentlich geringer, als bei uns hier.

Milchstraße – Stausee Kleine Kinzig – Reinerzau

Zuerst wollten wir die Milchstraße auf der rechten Seite des Stausees fotografieren, weil dies der kürzeste Weg für ein Milchstraßenfoto wäre. Einfach nur über die Staumauer laufen und die Kamera aufbauen, klingt doch verlockend. Im August steht die Milchstraße fast vertikal am Himmel. Von der geplanten Stelle aus, hätten wir die Milchstraße nicht gesehen, weil der Wald uns den Blick dazu versperrt hätte. Wir mussten uns, für unser Foto, eine Stelle gegenüber der Staumauer suchen. Nach einem Fußmarsch von ca. 45 Minuten hatten wir den Stausee soweit umlaufen, und eine passende Stelle gefunden.

Am Ufer, so gegen 20:00 Uhr angekommen, haben wir unsere Kamera aufs Stativ gepackt und überlegt, wie der Bildausschnitt sein soll. Jeder von uns hatte seine eigene unterschiedliche Brennweite dabei, d.h. jeder musste seinen eigenen Bildausschnitt festlegen. Ich habe nur ein 24 mm Objektiv und kein größeres Weitwinkelobjektiv z. B. mit einer Brennweite von z.B. 8 mm. Mit Hilfe der Handy-App PhotoPills konnte ich im Nacht-AR-Modus schon um 20:00 Uhr sehen, wo die Milchstraße in etwa um 22:30 Uhr zu sehen ist. Die Milchstraße ist nicht immer sichtbar, aber mit den entsprechenden Hilfmittel kann man sich das Leben schon wesentlich erleichtern und eine genaue Vorhersage treffen. An diesem Tag, war laut App, die Milchstraße im Zeitraum von etwa 22:30 Uhr bis 01:00 Uhr sichtbar.

Beim finalen Bild handelt es sich um ein Panorama bestehend aus insgesamt 48 Bildern. Der Hintergrund, also der Sternenhimmel besteht aus 3 Einzelbilder im Hochformat. Die drei einzelnen Abschnitte des Hintergrunds wurden zur Rauschreduzierung jeweils aus 15 Einzelbilder erstellt und dann als Panorama zusammengesetzt. Der Vordergrund seinerseits besteht ebenfalls aus 3 Bildern, zusammengesetzt zu einem Panorama. Die Belichtungszeit für die Bilder im Vodergrund war Blende 8, ISO 400 und 60 Sekunden.

Die Belichtungszeit der einzelnen Bilder des Hintergrunds habe ich auf der Basis der 300er-Regel ermittelt. Aufgrund der Erdrotation ist keine beliebig lange Belichtung der Sterne möglich. Mit einer zu langen Belichtungszeit, würden aus den ursprünglich runden Sterne Striche und dies ist nicht gewollt. Regel: 300 / „Brennweite“ ergibt die Belichtungszeit. Dann sind die Sterne noch rund und keine Striche.

Beispiel: 300 / 24 sind ungefähr 13 Sekunden. Dies habe ich neben der Blende f2.8 und einer ISO 3200, an meiner Kamera, im manuellen Modus eingestellt. ISO 3200 ist im Normalfall die ISO, damit die Sterne bei einer Blende von f2,8 mit einer ausreichenden Helligkeit gut abgebildet werden.

15 Einzelbilder habe ich gewählt, damit das auftretende Rauschen in den Einzelbildern, beim sogenannten Stacking reduziert werden kann. Im Allgemeinen sagt man, dass 10 – 15 Bilder beim Stacking ausreichend sind, um das Rauschen zu reduzieren. Bei einer größeren Anzahl von Bildern ist der Aufwand und Nutzen kaum mehr sichtbar.

Bei der Bildgestaltung war es mir wichtig, dass auch ein kleines Stück vom Ufer auf dem Bild sichtbar ist. Denn mit dem Stück Ufer, also einem Objekt im Vordergrund, kann man räumliche Tiefe vermitteln. Leider war es an diesem Tag nicht ganz windstill, so dass sich die Milchstraße nicht im Stausee gespiegelt hat. Der ursprüngliche Plan war, ein Milchstraßenfoto mit Spiegelung in einem See zu erstellen.

Um 23:30 Uhr hatten wir unsere Bilder gemacht und uns mit unseren eingeschalteten Stirnlampen auf den Rückweg begeben.