einige der traditionellen Rottweiler Figuren und deren Geschichte. Die Bilder wurden mit den Kameraeinstellungen ergänzt. Teilweise wurden die Erklärungen zu den einzelnen Figuren aus Wikipedia übernommen.

Gschell(-narr) und Biss

1/125 Sek bei f 3.5 mit ISO 100 / Brennweite 70mm / EF24-70mm / ohne Blitz

Der Gschellnarr ist der klassische Rottweiler Narr. Es handelt sich um einen Weißnarr mit bemaltem Leinenkleid.Das Leinenkleid besteht aus drei Teilen. Da ist zunächst die Haube, die an der Larve festgenäht wird. Sie entstand durch die im Hochmittelalter übliche Gugel. Auf der Haube sind historische Köpfe wie Türkenköpfe, Maskaronen oder Bacchusköpfe gemalt. Des Weiteren besteht das Kleid aus Narrenkittel und Hose. Auf dem Kittel findet man u. a. bäuerliche Halbfiguren, sowie Köpfe aus dem städtischen Leben. Die Hose besteht aus einer Kombination eigenwilliger Figuren (z. B. Frau mit altdeutscher Tracht, Mohr). Das Gschell trägt eine kühn wirkende, freundliche Glattlarve und als Kopfbedeckung eine Haube mit drei Fuchsschwänzen. Über Haube und Larve befindet sich ein aus strohhellem Rosshaar geflochtenes Kränzle. Am Kränzle werden zwei in Metall gefasste Spiegelchen befestigt. Zum Gschell gehören außerdem immer sechs Glockenriemen, die recht schwer sein können.

1/200 Sek. bei f 3.2 mit ISO 100 / Zeitautomatik / Brennweite 95 mm / EF70-200mm / mit Blitz

1/125 Sek. bei f 5.6 mit ISO 400 / Brennweite 45mm / EF24-70mm / mit Blitz / Blendenautomatik

Das Biss ist ebenfalls eine Weißnarrenfigur mit bemaltem Leinenkleid. Die Bisslarve zeigt ein strenges Männergesicht mit bissig gefletschten Zähnen. Die Larve ist anders als beim Gschell keine Glattlarve. Die Larventypen variieren vom Achtermaul bis hin zum Zahnfleischbiss. Die Nase des Biss ist groß und prägnant. Das Biss wird von einem Boschen aus Hahnenfedern bekrönt, kombiniert mit nur einem Fuchsschwanz. Die Bemalungen der Leinenkleider kann mit dem Gschell verglichen werden. Das Gleiche gilt für Glockenriemen, Kränzle, Foulards und Narrenwurst. Manche Biss tragen bis zu acht Glockenriemen. Das Biss wurde relativ spät zum ersten Mal erwähnt. Die ersten Fotografien dieses Kleidles stammen aus den Jahren 1860/70. Es gibt keine Kinder-Biss-Kleidle.

Fransenkleidle

Das Fransenkleidle ist eine stark vom Barock und Rokoko geprägte Narrenfigur. Es ist vermutlich eine jüngere, leichtere Spielart des Gschellnarren. Das Fransenkleidle wird gelegentlich auch als Frauenkleid bezeichnet. Dabei wird oft vergessen, dass bis nach dem Zweiten Weltkrieg fast ausschließlich Männer ins Narrenkleid gingen. Wenn Ratsprotokolle aus dem 18. Jahrhundert von Weiberkleidern berichten, kann nicht automatisch der Rückschluss gezogen werden, dass damit das Fransenkleidle gemeint war. Auf der Haube befindet sich ein Dreispitz. Das Rosshaarkränzle ist im Unterschied zu Biss und Gschell schwarz. Das ganze Kleid ist mit vertikalen Fransen in unterschiedlichen Farben besetzt. Zwischen den Fransen finden sich parallel verlaufende Silberlitzen. Das Fransenkleid trägt nur vier Riemen mit wesentlich kleineren Schlittengeschirrrollen als z. B. beim Geschell. Die Narrenwurst ist im Allgemeinen dunkler als bei den Weissnarren.

1/125 Sek. bei f 2.8 mit ISO 160 / Brennweite 41mm / EF24-70mm / ohne Blitz / Blendenautomatik

1/125 Sek. bei f 2.8 mit ISO 160 / Brennweite 67 mm / EF24-70mm / Blendenautomatik / mit Blitz

1/125 Sek. bei f 6.3 mit ISO 400 / Brennweite 65 mm / EF24-70mm / Blendenautomatik / mit Blitz

1/125 Sek. bei f 3.2 mit ISO 100 / Brennweite 200 mm / EF70-200mm / Zeitautomatik / mit Blitz

Schantle

Der Schantle war ursprünglich mit einem einfachen Rupfenanzug und Besen ausgestattet und zu derben Taten bereit. Diese Figur wurde Ende des 19. Jahrhunderts veredelt, um das Schantleverbot zu umgehen. Heute ist der Schantle mit Schirm oder Gehstock ausgestattet. Es gibt einige besondere Larven:

Die sogenannte „Briekere“ („brieken“ schwäbisch für weinen) zeigt ein weinendes Gesicht. Beim letzten Narrensprung am Fasnetsdienstag symbolisiert die Briekere, dass die Fastnachtszeit langsam zu Ende geht.

Ronnys Schantle wird aufgrund seiner auffälligen Augen auch Prallaug genannt. Die Larve besitzt als zusätzlichen Gesichtsschmuck einen aufgesetzten Bart und an der linken Schläfe eine Wunde, die sich sein ursprünglicher Besitzer im Gasthaus zum Kreuz zugezogen haben soll. Ronnys Schantle hält darüber hinaus in einer bildlichen Darstellung von 1871, der sogenannten „Narrentafel“, die Erinnerung an die alten Schantleanzüge wach.

1/125 Sek. bei f 5.6 mit ISO 400 / Brennweite 39mm / EF24-70mm / Blendenautomatik / mit Blitz

1/125 Sek. bei f 5.0 mit ISO 400 / Brennweite 70mm / EF24-70mm / Blendenautomatik / mit Blitz

1/125 Sek. bei f 4.0 mit ISO 400 / Brennweite 70mm / EF24-70mm / Blendenautomatik / mit Blitz

1/125 Sek. bei f 3.5 mit ISO 400 / Brennweite 70mm / EF24-70mm / Blendenautomatik / mit Blitz

1/125 Sek. bei f 3.2 mit ISO 100 / Brennweite 57 mm / EF24-70mm / Blendenautomatik / ohne Blitz

Federahannes

Die Larve zeigt ein Gesicht mit gebogenen Hauern aus den Mundwinkeln. Er trägt einen Mantel, der mit Federn geschmückt ist, und einen Stab, an dessen Ende ein parfümiertes Kalbschwänzle befestigt ist. Mit diesem wedelt er den Passanten durch das Gesicht. Außerdem dient der Stab dazu, die bekannten Sprünge zu vollziehen.

1/200 Sek. bei f 3.2 mit ISO 100 / Brennweite 70 mm / EF70-200mm / Zeitautomatik / mit Blitz

1/125 Sek. bei f 4.0 mit ISO 400 / Brennweite 39 mm / EF24-70mm / Blendenautomatik / mit Blitz

1/60 Sek. bei f 3.5 mit ISO 100 / Brennweite 70 mm / EF70-200mm / Zeitautomatik / mit Blitz

1/125 Sek. bei f 8.0 mit ISO 400 / Brennweite 24 mm / EF24-70mm / Blendenautomatik / mit Blitz

Federahanneslarven aus der Zeit um 1700 haben oft kein für das Kleidle typisches Rollkinn. Beim Rollkinn spricht man auch von der sogenannten Volute. So gibt es zum Beispiel eine Larve, bei der statt des Kinns ein Bart aufgemalt ist.

1/125 Sek. bei f 8.0 mit ISO 400 / Brennweite 41 mm / EF24-70mm / Blendenautomatik / mit Blitz

1/125 Sek. bei f 6.3 mit ISO 200 / Brennweite 70 mm / EF24-70mm / Blendenautomatik / mit Blitz

1/125 Sek. bei f 7.1 mit ISO 400 / Brennweite 35 mm / EF24-70mm / Blendenautomatik / mit Blitz

Benner Rössle

Insgesamt neun Rössle (Rösser, Scheinpferde) sind Bestandteile der Rottweiler Fasnet. Die Figur besteht aus einem Ross und zwei Treibern, die in einer wilden Vorstellung versuchen, dem Ross die Feder vom Kopf zu peitschen.

Alte Rottweiler sprechen auch vom Brieler Rössle. Das älteste Rössle ist der sogenannte „Alte Schimmel“. Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts wurde ein weiteres Rössle angefertigt: „Widmers Fuchs“. Später kamen der „Neue Schimmel“ und das „Haller Rössle“ sowie weitere Pferdeattrappen hinzu. Mittlerweile gibt es auch mehrere Rössle, die nicht beim Narrensprung mitmachen dürfen, da die Narrenzunft die Anzahl der am Sprung teilnehmenden Rössle, aufgrund der Länge des Sprungs, begrenzte. Diese ziehen dafür aber anschließend durch die Gassen und bieten ein nicht minder spektakuläres Schauspiel. Interessant ist auch, dass alle Rössle in Privatbesitz sind. Wie lange das Gespann aus Treiber und Rösslenarr bereits besteht, lässt sich nur vermuten. Der Geschichtsschreiber von Langen erwähnte das Brieler Rössle bereits namentlich in seiner Rottweiler Stadtgeschichte um 1800.

1/200 Sek. bei f 8 mit ISO 400 / Brennweite 70 mm / EF70-200mm / Zeitautomatik / mit Blitz

1/125 Sek. bei f 10 mit ISO 400 / Brennweite 50 mm / EF70-200mm / Zeitautomatik / mit Blitz

1/200 Sek. bei f 3.2 mit ISO 100 / Brennweite 115 mm / EF70-200mm / Zeitautomatik / mit Blitz

1/125 Sek. bei f 5.6 mit ISO 200 / Brennweite 67 mm / EF24-70mm / Blendenautomatik / mit Blitz

1/125 Sek. bei f 5.6 mit ISO 400 / Brennweite 70 mm / EF70-200mm / Blendenautomatik / mit Blitz

Schiermaiers Guller

Der Rottweiler Guller (schwäbisch für Hahn) ist eine Einzelfigur. Sie stellt einen Hahn dar, auf dem ein Narr reitet. Die Hahnenfigur trägt gerne immer ein Fasnetsküchle (Krapfen) im Schnabel. Der Hahn steht für die sogenannte „Geilheit“ der Narren. So sieht man den Guller oft mit seinen Füßen scharrend auf die am Straßenrand stehenden Frauen und Mädchen zureiten. Früher war der Guller eine Ganzkörpermaskierung ohne Gullerreiter.

Der heute laufende Guller wurde erst im Jahre 1956 durch Ludwig Sauter gefertigt. Die einmalige Larve stammt von German Burry, der auch noch viele weitere Larven der Rottweiler Fasnacht geschaffen hat.

1907 liefen noch vier Guller. Aus unterschiedlichen Gründen sind sie heute nicht mehr im historischen Narrensprung zu sehen. Einer wurde in den 1920er Jahren vom Landesmuseum Stuttgart gekauft, fiel aber den Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg zum Opfer. Auch 1956 verkaufte die Narrenzunft einen Guller an das Landesmuseum Stuttgart.

1/200 Sek. bei f 3.2 mit ISO 100 / Brennweite 140 mm / EF70-200mm / Zeitautomatik / mit Blitz

1/125 Sek. bei f 4.5 mit ISO 400 / Brennweite 65 mm / EF24-70mm / Blendenautomatik / mit Blitz

Narrenengel

Auch der Narrenengel ist eine Einzelfigur, dem die Aufgabe zufällt, als erster Narr beim Narrensprung durchs Tor zu laufen und die Narrentafel zu tragen. Auffallend ist auch, dass der Narrenengel nicht die heutigen Rottweiler Stadtfarben Schwarz und Gelb trägt, sondern die alten Reichsstadtfarben Rot und Weiß. Quer über seine Brust trägt er ebenfalls eine rotweiße Schärpe. Er hält die Überlieferung an die Engelsgesellschaft wach, die als Einrichtung lediger Bürgerssöhne Trägerin der reichsstädtischen Fasnet war. Der Narrenengel ist die einzige Rottweiler Fasnetsfigur, die bisher nicht von anderen Narrenzünften nachgeahmt wurde. Dies ist verständlich, denn wie keine der anderen Narrenfiguren wurzelt seine Herkunft im Leben der Rottweiler Handwerkszünfte. Nach dem Sprung tauscht er seine Narrentafel mit einem Schirm, damit er weiter an der Straßenfasnet teilnehmen kann.

1/125 Sek. bei f 5.6 mit ISO 400 / Brennweite 39 mm / EF24-70mm / Blendenautomatik / mit Blitz

1/125 Sek. bei f 7.1 mit ISO 400 / Brennweite 70 mm / EF24-70mm / Blendenautomatik / mit Blitz

Langer Mann

Der Lange Mann gehört ebenfalls zum historischen Bestand der Rottweiler Fasnet und wurde im Zuge der Wiedergründung der Narrenzunft 1903 wiederbelebt. Er geht heute zusammen mit der Tagwachkapelle in der Frühe des Fasnetsmontag durch die Stadt um „die Narren zu wecken“. Früher soll er bereits diese Funktion besessen haben und die Bewohner Rottweils an den Fenstern ihrer Gebäude aufgeweckt haben. Ob er die Figur eines Narrenvaters darstellt, wie man annehmen möchte, wenn der Lange Mann heute mit dem Narrensamen während des Narrensprungs unterwegs ist, bleibt zweifelhaft. Auch die Reduzierung auf ein Überbleibsel der karnevalistischen Phase im 19. Jahrhundert ist nicht geklärt. Vermutlich ist die Figur zumindest ideengeschichtlich älter.

1/100 Sek. bei f 2.8 mit ISO 400 / Brennweite 85 mm / EF70-200mm / Zeitautomatik / ohne Blitz

Landsknechte und Landsmägde

Während der Fasnetssprünge sorgen die Landsknechte und Landsmägde für Ordnung. Mit ihren langen Stangen sind sie für einen reibungslosenen Verlauf des Narrensprungs verantwortlich. So halten sie die Straße für die Narren frei oder teilen den historischen Sprung. Oft werden die Landsknechte im Volksmund einfach nur Ordner genannt. Heute gibt die Narrenzunft ca. 66 Ordneruniformen aus. Als Geburtsstunde der Landsknechtgruppe in der heutigen Form gilt der 14. Januar 1978. Der erste Oberordner wurde damals Manfred Stützle.

1/125 Sek. bei f 2.8 mit ISO 1000 / Brennweite 130 mm / EF70-200mm / Zeitautomatik / ohne Blitz

1/160 Sek. bei f 2.8 mit ISO 2000 / Brennweite 190 mm / EF70-200mm / Zeitautomatik / ohne Blitz

1/100 Sek. bei f 2.8 mit ISO 1000 / Brennweite 120 mm / EF70-200mm / Zeitautomatik / ohne Blitz