Ausrüstung:

  • Vollformatkamera vs Kamera mit Crop-Sensor

Beim Vergleich der beiden Kameratypen, d.h. dem Vergleich einer Vollformatkamera, die einen größeren Sensor im Vergleich zu Kameras mit einem Crop-Faktor hat, schneidet die Vollformatkamera besser ab, da die Vollformatkamera ein wesentlich besseres Rauschverhalten hat. Anderst ausgedrückt eine Vollformatkamera macht auch bei höheren ISO-Zahlen im Normalfall bessere Bilder.

Der Cropfaktor gibt den Wert an, um welchen Wert der Sensor in der Kamera im Vergleich zu einer Vollformatkamera kleiner ist. Canon hat den Faktor 1,6, Nikon als Beispiel 1,5. Dieser Crop-Faktor wird bei der Berechnung der Belichtungszeit benötigt. Ermitteln sie doch einfach mit einer ISO-Reihe, wo das Rauschen ihrer Kamera so groß ist, dass die Bildqualität gerade noch akzeptabel ist. Gehen sie davon aus, dass Ihre Kamera mit ISO 3200 noch befriedigende Bilder abliefern muss.

  • JPG-Bild vs RAW-Format

Um eine optimale Bildbearbeitung durchführen zu können, ist es bei der Sternenfotografie eigentlich zwingend notwendig auf das digitale Bildformat der Kamera zurückgreifen zu können. Bei JPG-Bildern findet ja bereits in der Kamera eine erste Bildbearbeitung statt. Dies ist im Falle der Sternenfotografie nicht erwünscht. Aus diesem Grund können sie die Reduktion der Rauschreduzierung in ihrer Kamera abschalten. Als erster Grund ist hiefür zu erwähnen, dass sich diese Rauchreduktion nur auf JPG-Bilder auswirkt und als weiterer Punkt verdoppelt es die Belichtungszeit, denn nach der eigentlichen Aufnahme wird eine zusätzliche Aufnahme (ein sogenannter Dark Frame) erstellt und beide Aufnahmen werden danach zu einem Bild zusammengesetzt. Mit Hilfe eines Dark Frames, wird das Rauschen reduziert.

  • Kamera mit Weitwinkelobjektiv:

Zur Berechnung der Belichtungszeit gibt es für die Sternenfotografie, die sogenannte 500 Regel, die besagt: Belichtungszeit = 500 / (Brennweite * Cropfaktor der Kamera). Fotografiert man mit einer Vollformatkamera, dann ist z.B.: die Belichtungszeit bei einem 16mm Objektiv => 500 / (16 * 1)  = 31 Sekunden. Wird mit dieser Zeit das Bild belichtet, dann gibt es verursacht durch die Erdrotation noch keine Sternenspuren, die Sterne sind Rund. Erst bei einer längeren Belichtungszeit werden aus den Punkten Sternenspuren.

Im Zuge der Weiterentwicklung der Kameras ist diese 500-Regel nicht mehr aktuell. Eine wesentlich genauere Regel ist die 300-Regel. Es bleibt alles gleich, d.h. als Ausganswert wird hier 300 in die Formel eingesetzt. Für das obere Beispiel bedeutet dies eine Belichtungszeit von 18 Sekunden. Ich persönlich arbeite mit der 300-Regel.

  • Lichtstarkes Objektiv

Damit die ISO bei einer Belichtung nicht zu groß gewählt werden muss, setzt man bei der Sternenfotografie, wenn möglich, lichtstarke Weitwinkelobjektive ein. Grund ist der, dass bei lichtstarken Objektiven einfach weniger Licht zur Belichtung benötigt wird. Bei einr niedrigen ISO ist die Bildqualität einfach besser, da das Bildrauschen mit Erhöhung der ISO zunimmt. Wenn man kein lichtstarkes Objektiv hat, dann ist es so, dass ein einzelnes Bild schon ein sichtbares Rauschen aufweist. Um dieses Rauschen zu reduzieren kann man mehrere Bilder erstellen und dies per Software zu einem Bild zusammenrechnen lassen. Beim dem sogenannten Überblenden wird als positiver Effekt das Bildrauschen minimiert. Bei einem Panorama der Milchstraße müssen also schon die Einzelaufnahmen eine gute Qualität aufweisen, den bein Panoramen der Milchstraße ist es nicht möglich einzelne Bilder überzublenden.

  • Stativ

Aufgrund der Belichtungszeit von ca. 18 Sekunden, wird ein stabiles Stativ benötigt. Nur mit einem guten Stativ ist es möglich, verwackelungsfreie Bilder zu erstellen. Im Normalfall werden merhrere Aufnahmen zu einem Bild zusammengesetz, so dass es sehr wichtig ist, dass alle Aufnahmen den gleichen Bildausschnitt haben.

  • Fernauslöser

Mit einem Fernauslöser wird der Belichtungsvorgang ausgelöst, die erfolgt digital also verwackelungsfrei. Man könnte auch die Zeitverzögerung an der Kamera, beispielsweise 2 Sekunden einstellen und dann durch Drücken des Auslösers das Erstellen des Bildes erstellen. Ein Fernauslöser hat aber noch wesentliche Vorteile: Man kann eine Anzahl der zu erstellender Bilder angeben, so dass man nicht jede Aufnahme manuell auslösen muss. Der größte Vorteil ist aber, dass man die Zeit sehr genau einstellen kann. Die Kamera macht im manuellen Modus ja auch Bilder, ich könnte ja im manuellen Modus die Zeit einstellen. Die Zeitintervalle sind aber da nicht so fein wählbar, die Kamera macht 10, 15, 20 Sekunden als Belichtungszeit. Bietet also nicht die Belichtungszeit auf 18 Sekunden einzustellen. Mit einem Fernauslöser startet man einmal eine Belichtung, versetzt die Kamera in den Bulb-Modus, den Rest erledigt der Fernauslöser ganz alleine. In der Zwischenzeit, bis zum Abschluß der Bilderserie, kann man den Sternenhimmel genießen.

  • Stirnlampe

Ein gute Stirnlampe erleichtert die Sache ungemein. Man kann zwischen den einzelnen Bildern auch mal an der Kamera die Einstellungen korigieren oder eine Bildkontrolle durchführen. Eine gute Stirnlampe zeichnet sich dadurch aus, dass sie über eine Rotlicht-Funktion verfügt. Mit Rotlicht bleibt das Sehen in der Dunkelheit erhalten. Dies ist mit dem normalen Licht nicht möglich. Man ist praktisch immer geblendet, wenn man weißes Licht einsetzt. Es dauert dann wieder eine gefühlte Ewigkeit, bis sich das Augen erneut an die Dunkelheit gewähnt hat und man wieder etwas sieht.

  • Tücher / Handschuhe

Nachts ist es meistens kalt. Man kann dann Tücher zum Abdecken der Kamera oder auch Objektivheizungen benutzen. Es ist mir auch schon passiert, dass meine Kamera nachts eingefroren ist. Auf dem Objektiv hat sich eine Eisschicht gebildet. Die Kamera hat dann aufgrund der Kälte versagt. Es kann schon mal sein, dass die Kamera 2 Stunden am Stück in der Kälte steht.

Es gibt spezielle Fotografenhandschue, die ermöglichen es einem bei Bedarf, einzelne Finger aus dem Hanschuh herauszustrecken, damit eine Kamerabedienung möglich wird. Man kann nach Abbschluss der Bedienung die Finger wieder in den Handschuh hineinziehen.

Vorgehensweise / Workflow:

Zur allgemeinen Vorgehensweise. Man fokussiert im ersten Schritt manuell und stellt danach den Bildauschnitt ein. Nach erfolgter Fokussierung darf man den Fokus nicht mehr verändern.

  • Scharfstellen / Fokussieren

Um Scharfzustellen kann man mehrere Vorgehensweisen benutzen:

– Fokusieren auf unendlich bei Tageslicht, dann den Automatischen Fokus auf einen manuellen Fokus umstellen und bei Bedarf den Fokus mit etwas Gafferband festkleben, so der Fokus nicht versehentlich verändert werden kann.

– Manche Objektive bieten eine unendlich Markierung an. Bei Tageslicht diese Marke am Objektiv überprüfen. Bei manchen Objektiven gibt es eine Marke, die Position ist aber nicht ganz korrekt am Objektiv abgebildet, d.h. manchmal ist der unendlich Fokus kurz vor oder kurz nach der Marke. Wenn man die richtige Marke kennt, dann kann man problemlos auch Nachts fokussieren.

– Scharfstellen bei Nacht direkt vor Ort. Man richtet die Kamera auf einen hellen Stern aus und fokussiert mit der Hilfe der Live-Ansicht der Kamera diesen Stern an, so dass dieser Stern scharf abgebildet wird. Danach kann der Bildausschnitt eingerichtet werden.

– Scharfstellen vor Ort mit einer Taschenlampe. Es gibt eine DOF-Tabelle (Depth of Field Tabelle). In dieser Tabelle kann man in Abhängigkeit von der Kamera, der Brennweite des Objektivs und der Blende ermitteln, wo die Entfernung ist, ab der alles Scharft im Bild abgebildet ist. Im Normalfall, auch mit etwas Reserve eingerechnet sind dies ca. 15 Meter. Positioniert sich also eine Person mit einer Taschenlampe in dieser Entfernung, kann man auf diese Person Scharfstellen. Alles ab dieser Entfernung ist scharf, also auch die dahinterliegenden Sterne.

  • Bildauschnitt

Der Bildauschnitt wird auf der Basis des „Goldenen Schnittes“ oder der Drittel-Regel bestimmt. Dazu erstellt man eine Langzeitbelichtung, so dass man im Detail erkennen kann, wie der Bildauschnitt ist und passt diesen bei Bedarf entsprechend an. Dies kann dann auch schon mal Bedeuten, dass man dafür einige Bilder erstellen muss.

  • Bilder / Serien / Lichtmalerei

Mit Hilfe eines Fernauslösers werden die Bilder erzeugt. Nach jeder Serie wird ein schwarzes Bild erzeugt, so dass man später in der Bildbearbeitung leicht erkennen kann, von wo bis wo die Serie geht. Dies vereinfacht bzw. beschleunigt die Bildbearbeitung wesentlich.

Zusätzlich zur normalen Bildbearbeitung nehme ich noch sogenannte Dark Frames auf. Dabei wird mit der identischen Belichtung mit aufgesetztem Objektivdeckel ein Bild erzeugt. Dies kann in der Bildbearbeitung zum Reduzieren des Rauschens benutzt werden. In Normalfall erzeuge ich dann dafür auch eine Bilderserie.

Entweder zu Begin einer Serie oder zum Abschluss dieser, findet eine eventuelle Lichtmalerei statt. Es werden weiter Bilder mit den belichteten Objekten erstellt, so dass dies dann in der Bildbearbeitung kombiniert werden.

Bildbearbeitung

Eine mögliche Vorgehensweise der Bildbearbeitung mit Darstellung der dafür notwendigen Schritte finden sie hier.

zurück zu Faszination Lichtmalerei